Gerade in der klassischen Reiterei gibt es das Phänomen, Kritik an Reitern und deren Reitweise zu üben. Manchmal ist sie berechtigt, oft jedoch ist sie aus fehlendem Verständnis der Vorgänge und dem Aufbau der Ausbildung.

Ein wesentlicher Punkt ist: Reiten sieht von außen wesentlich einfacher aus, als es tatsächlich ist.

Ein guter Reiter ist fähig seine Einwirkungen ( Hilfen ) möglichst unauffällig und wenig sichtbar auf sein Pferd zu übermitteln. Viele kleine Einwirkungen ( Gewicht, Schenkel, Zügel,   Körperspannung, Timing ) und deren Zusammenspiel sind für einen Außenstehenden kaum zu erkennen. Dadurch entsteht leicht der Eindruck , der macht doch da nichts " das kann ich auch beurteilen."

Ob ein Pferd tatsächlich über den Rücken schwingt, die Hinterhand vermehrt belastet, korrekt an die Hand herantritt  sich im Gleichgewicht befindet, auf der Vorhand läuft,  oder lediglich durch Zügeleinwirkung in eine Haltung gebracht wird , ist ohne entsprechendes Fachwissen und Erfahrung nicht zuverlässig zu beurteilen.

Viele beurteilen deshalb die sichtbare Form, oft ohne die Zusammenhänge der Ausbildung von Takt, Losgelassenheit  Anlehnung  Schwung, Geraderichten und Versammlung verstanden zu haben. Wer diese Zusammenhänge nicht kenmt, kann eine einzelne Szene leicht völlig falsch interpretieren.

Wer die klassische Ausbildung versteht  beurteilt nicht nur eine Momentaufnahme sondern fragt: Warum bewegt sich das Pferd so,  was versucht der Reiter auszubilden.

Das bedeutet nicht, daß jeder Spitzensportler automatisch gut und jede Leistung automatisch korrekt ist. Auch Spitzensport kann berechtigt kritisiert werden. Eine seriöse Kritik jedoch müsste erklären können, was konkret falsch ist und warum.

Warum glauben Menschen trotzdem, es besser zu wissen?

Ein Mensch mit wenig Fachwissen erkennt oft gar nicht, welches Wissen ihm fehlt. Je weniger man über die Komplexität eines Gebietes weiß, desto leichter kann man glauben  man habe es vollständig verstanden.

Ein weiterer interessanter Aspekt: Kritik verschafft soziale Anerkennung.

Scharfe Kritik im Internet wird häufig stärker belohnt als differenzierte Analyse. Zu sagen" Ich sehe hier ein Ausbildungssystem aber mir fehlen Informationen und Fachwissen, um es sicher zu beurteilen erfordert intellektuelle Zurückhaltung.

Der entscheidende Unterschied ist für mich:

Gute Kritik beschreibt zunächst die Beobachtung, erklärt den Zusammenhang und begründet das Urteil, schlechte Kritik verwechselt das eigene ästhetische Empfinden mit einer fachlichen Beurteilung der Ausbildung.

KLASSISCH (englisch) oder WESTERN-pferdeausbildung ? Die Unterschiede betreffen Ausbildungsziel, Reitweise und Hilfengebung.

1 ) Ziel der klassisch ( englisch )  -Ausbildung ist die Gymnastizierung des Pferdes, Losgelassenheit, Tragkraft und Versammlung. Grundlage ist die Skala der Ausbildung ( Takt, Losgelassenheit, Anlehnung,  Schwung,  Geraderichten,  Versammlung). Das Ziel ist ein durchlässiges, fein gerittenes Pferd für Dressur, Springen oder Vielseitigkeit.

Ziel der Westernausbildung ist ein zuverlässiges, selbständig denkendes Arbeitspferd ( Ranch Horse ). Es soll lange entspannt laufen, schnell reagieren und Aufgaben wie Rinderarbeit effizient erledigen.

2) Haltung und Rahmen  ( Kopf-Hals-Position )

Klassisch: Pferd wird vorwärts- abwärts an die Hand herangeführt,  später mehr aufgerichtet(Versammlung)

Western: Eher tiefer und entspannter Hals, oft mit " losen Zügeln  ", kein dauerhafter  Kontakt.

3) Zügelkontakt

Klassisch: Konstanter,  elastischer  Kontakt zum Pferdemaul ( Anlehnung  )

Western: Meist loser Zügel,  Impulse nur bei Bedarf mit dem Ziel, daß das Pferd sich selbst trägt ohne ständigen Kontakt. 

4) Hilfengebung

Klassisch: Deutliche Kombination aus Gewicht, Schenkel- und Zügelhilfen. 

Western: Sehr feine,  minimale Hilfen. Das Pferd soll auf kleinste Signale reagieren und danach in Ruhe gelassen werden. 

5) Zügelführung

Klassisch: Meist beidhändig,  ( vor allem in der Ausbildung  ).

Western: Oft einhändig ( Neck Reining  ) besonders beim ausgebildeten Pferd. 

6) Gangbild und Tempo

Klassisch: Aktive, schwungvolle Bewegungen mit viel Energie, Raumgriff  und Ausdruck in Schritt, Trab und Galopp in verschiedenen Tempi's.

Tempounterschiede 

Gangart Schritt ( Mittelschritt, starker Schritt, versammelter Schritt. 

Gangart Trab ( Arbeitstrab, Mitteltrab, starker Trab, versammelter Trab ).

Gangart Galopp ( Arbeitsgalopp, Mittelgalopp, starker Galopp,  versammelter Galopp ).

Western: Ruhige, flache, energiesparende Bewegungen ( z.B. Jogging als Trab, Lope als Galopp ).

7) Spezialisierung 

Klassisch: Dressur, Springen,  Vielseitigkeit- eher sportlich geprägt-

Western: Disziplinen  wie Reining Cutting, Trail,  Ranch Riding - stark praxisorientiert  -.

Ausbildungssystem:

Klassisch: Stark systematisiert ( z.B. Richtlinien für Reiten und Fahren der Deutschen Reiterlichen Vereinigung)

Western: Weniger formalisiert,  stärker erfahrungsbasiert, geprägt durch amerikanische Traditionen.

GEZ. Wolfgang Stamer 

          www. Pferdewissen.eu

Exterieur & Interieur: der Schlüssel zur Leistungsfähigkeit

EXTERIEUR (  KÖRPERBAU )

Gebäude ( zB. Rückenlänge, Fundament, Winkelung ).

Größe und Rahmen

Korrektheit der Beine

INTERIEUR ( CHARAKTER )

Temperament ( ruhig, sensibel, nervös )

Leistungsbereitschaft

Rittigkeit

 

 

 

Was macht ein Pferd wirklich leistungsfähig und dauerhaft gesund? Ich beleuchte die komplexen Zusammenhänge zwischen Exterieur (Körperbau) und Interieur (Charakter, Temperament) und deren Einfluss auf die mögliche Leistungsfähigkeit und langanhaltende gesunde Nutzungsfähigkeit. Entdecken Sie, wie Sie diese Aspekte erkennen und für die Ausbildung Ihres Pferdes nutzen können.

Meine neuesten Arbeiten

DIE AUSWAHL eines PFERDES für FREIZEIT und SPORT

Die Auswahl eines Pferdes ist eine wichtige Entscheidung. Dabei sollten mehrere Faktoren berücksichtigt werden, damit Pferd und Reiter gut zusammenpassen.

1) VERWENDUNGSZWECK

Zuerst sollte klar sein, wofür das Pferd genutzt  werden soll.

-  Freizeitreiten , Ausritte, entspannte Arbeit auf dem

   Reitplatz

- Sportreiten, z.B. Springen,  Dressur,

  Vielseitigkeitsreiten 

- Freizeit und leichter Sport, eine Mischung aus beiden.

- Fahrsport 

Für Anfänger oder Freizeitreiter ist ein ruhiges, ausgeglichenes Pferd oft besser geeignet als ein sehr temperamentvolles.

Manche Pferderassen eignen sich besonders gut für bestimmte Bereiche, Beispiele:

- Haflinger, ruhig, robust, ideal für Freizeit und Fahren.

- American Quarter Horse, sehr vielseitig, gut für Frei-

  zeit und Westernsport.

- Isländer, bequem, sehr beliebt für Ausritte Und

  Islandpferdesport.

- Lippizaner, Ursprung  Lipica  (Slowenien), Kultur-

  gut der Österreicher mit der Wiener Hofreitschule, für 

  hohe Schule, Dressur- -und Fahrsport.

- Deutsche Sportpferde aus den Landes-

  zuchtverbänden wie Hannoveraner, Holsteiner, 

 Oldenburger  sehr häufig im internationalen Dressur-

 und Springsport.

- österr. , holländische, schweizer, ungarische.Sport-

  Pferde, oft mit Pferden aus deutscher Abstammung.

2) CHARAKTER und TEMPERAMENT

Der Charakter ist eines der wichtigsten  Punkte. Ein gutes Freizeit-, oder Sportpferd sollte ausgeglichen und nervenstark, lern- und leistungsbereit , freundlich  im Umgang und nicht schreckhaft oder aggressiv sein. Besonders im Gelände ist ein gelassenes Pferd wichtig. 

3) Das ALTER des Pferdes beeinflusst  Ausbildung ,

    Einsatzmöglichkeiten und Preis.

- Jungpferde ( 3 - 6 Jahre ) viel Potential, aber Ausbildung     nötig

- erfahrene Pferde ( 7 - 15 Jahre ) oft ideal für Freizeit und Sport.

- ältere Pferde ( ab 16 Jahre ) ruhiger, gut für Freizeit , oft gut als Lehrpferde für junge Reiter.

4) GESUNDHEIT

Vor dem Kauf sollte immer auf die Gesundheit des Pferdes geachtet  werden. Klare Augen, gesunde Hufe,  guter Körperbau, keine Lahmheit, guter Ernährungszustand.

Eine Ankaufsuntersuchung durch einen Tierarzt ist sehr empfehlenswert.  Bei Sportpferden neben klinischer Untersuchung inklusive Röntgen.

5) GRÖßE und KÖRPERBAU

Das Pferd sollte zur Größe und dem Gewicht  des Reiters passen.  Wichtige Punkte sind passende Stockmaßhöhe , stabiler Rücken, korrekte Beine, harmonischer Körperbau. Ein zu kleines oder zu großes Pferd kann für den Reiter unbequem sein.

Das Gewicht des Reiters darf 20 % des Pferdegewichts nicht überschreiten. 

6) AUSBILDUNGSSTAND

Ein Pferd kann unterschiedlich ausgebildet sein. Ein gut ausgebildetes Pferd ist besonders wichtig für Anfänger und Lehrmeister für junge Reiter. Es sollte auf Hilfen reagieren,  ruhig im Umgang sein und Erfahrung haben.

FAZIT:

Die Wahl eines Pferdes für Freizeit und Sport sollte sorgfältig überlegt sein. Charakter, Ausbildung, Gesundheit und die eigenen Reitfähigkeiten müssen zusammenpassen. Nur dann entsteht eine gute Partnerschaft zwischen Reiter und Pferd.

GEZ. Wolfgang Stamer                                                                    www.pferdewissen.eu

  

   

SINNVOLLES LONGENTRAINING

Sinnvolles Longentraining ist weit mehr als nur "im Kreis laufen lassen". Es kann Gymnastik, Balance, Losgelassenheit und Gehorsam verbessern. Entscheidend für ein gutes Training ist das Wissen um die Prinzipien einer klassisch pferdegerechten Ausbildung, deren klaren Aufbau und dem definieren eines Trainingziel. 

GRUNDPRINZIPIEN

* vorwärts - abwärts dehnen und den Rücken aufwölben.

* Takt, Losgelassenheit immer Vorraussetzung für Versammlung.

* Große Linien ( schont Gelenke )

* Kurze Einheiten ( 20 - 30 Min. )

* Abwechslung

AUFBAU einer TRAININGSEINHEIT

1 ) AUFWÄRMEN ( 5 -  10 Min. )

* Schritt auf großem Zirkel

* Häufig Handwechsel

* Übergänge Halt - Schritt - Halt

ZIEL : Aufmerksamkeit & Gelassenheit

2 ) ARBEITSPHASE ( BASISARBEIT )

* Übergänge Schritt - Trab

* Tempounterschiede im Trab

* Zirkel verkleinern & vergrößern

Gymnastizierende Übungen

* Stangenarbeit und Cavaletti fördert Koordination &         Rückentätigkeit

ZIEL: Balance,  Hinterhand aktivieren

FORTGESCHRITTEN

* Galopparbeit

* Übergänge Trab - Galopp

* Schwungentwicklung und Tempowechsel

* Seitengänge ( z.B. Schulterherein )

* Erarbeiten und Weiterentwicklung von Versammlung  

   bis Piaffe & Passage

HÄUFIGE FEHLER

Dauertrab ohne Übergänge 

Pferd zieht nach außen ( keine echte Stellung )

Zu kleiner Kreis - Gelenkbelastung

Zu lange Einheiten - Überfordern

Falsche Verschnallung der Hilfszügel - Verspannung statt Losgelassenheit.

GEZ.

Wolfgang Stamer

 

 

 

  

 

 

Als Pferdewirtschaftsmeister teile ich mein Fachwissen, um nicht nur zu informieren, sondern auch die Faszination für diesen Berufsstand zu wecken. Fühlen Sie sich inspiriert und ermutigt, tiefer in die Materie einzutauchen und die Zusammenhänge in der Pferdehaltung, -zucht und -ausbildung besser zu verstehen. Ihr Wissen ist der Schlüssel zum Erfolg – für Sie und Ihr Pferd.